“Schule früher” - in Kirchheim und anderswo ...
“Schule früher” - eine faszinierende Unterrichtseinheit
Das Thema “Schule früher” im Heimat- und Sachunterricht faszinierte die Kinder in besonderem Maße. Unvorstellbar die Größen der früheren Schulklassen, die anderen Unterrichtsmethoden, die wenigen Schulsachen und vor allem die ihnen völlig fremden Strafen motivierten die Kinder, sich mit der Thematik intensiv auseinander zu setzen. Sie befragten Großeltern und sogar Urgroßeltern und brachten einige ihrer alten Schulsachen mit. Im Internet wurde eifrig nach Informationen gesucht (siehe Linkliste)
Dann versuchten die Kinder angestrengt, wenigstens ein paar Minuten lang einen Schultag von früher nachzuempfinden: Still und gerade zu sitzen, Hände auf dem Tisch, Füße parallel auf dem Boden, beim Aufrufen aufstehen und ”aus der Bank” zu treten, usw. Das alles war gar nicht einfach durchzuhalten!
Der Vergleich der Schrifttafeln “Deutsche Schrift” (siehe hier) und “Vereinfachte Ausgangsschrift” im Klassenzimmer löste Mitleid mit den Kindern früherer Zeiten aus: Um wie viel schwieriger waren doch sicher die Buchstaben der alten deutschen Schrift zu lernen und zu schreiben!
Mit Feuereifer probierten die Kinder, ihren Namen und ein paar Wörter zu schreiben. Höchste Konzentration war angesagt. Die Ergebnisse sahen aus wie Geheimschrift. Auf tägliche Schönschreibübungen mit Federhalter und Tinte wie früher hätte keiner aus der Klasse in heutiger Zeit Lust ...
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Eines Morgens kamen Elke, Raffaela und Franziska als “frühere” Schulkinder - brav mit geflochtenen Zöpfen und Kleidern. Franziskas Opa ist übrigens auf dem alten Kirchheimer Klassenfoto von 1956 zu sehen!
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In unserer Gemeinde gibt es heute eine Grund- und Hauptschule, zwei Grundschulen und ein Gymnasium. Die Realschule befindet sich nahe der Gemeindegrenze, in Aschheim. Dass die Versorgung mit Schulen früher ganz anders war, erfuhren die Kinder in einer “Geschichtsstunde”, illustriert mit Fotos aus der Gemeindechronik.
Hier ist eine kurze Übersicht der Entwicklung der Schule(n) in Kirchheim:
Die Schule in Kirchheim
(Die Fotos wurden uns vom Gemeindearchiv Kirchheim zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür an den Archivar und an den Bürgermeister!)
Aus der Chronik der Gemeinde Kirchheim bei München:
Ob vor der Wende zum 19. Jahrhundert jemals ein Kind aus Heimstetten, Kirchheim oder Hausen in eine Schule ging, ist mehr als fraglich. Eine allgemeine Schulpflicht gab es nicht und die meisten Menschen - vor allem auf dem Land - sahen eine Volksschule als äußerst überflüssig an. Das Schulgeld hätten sich die meisten Eltern auch gar nicht leisten können. Außerdem waren die Kinder bei der Arbeit unentbehrlich.
Im Jahr 1802 setzte eine Verordnung die Schulpflicht in “Feiertagsschulen” vom sechsten bis zum zwölften Lebensjahr fest. Aber in Kirchheim und der gesamten Umgebung gab es keine einzige Schule. Sieben Kirchheimer Kinder wurden von einem Maurer, der gleichzeitig der Schullehrer war, unterrichtet, und zwar in dessen armseliger Hütte. “Die sogenannte Schulstube, niedrig, eng, finster, feucht und unreinlich, die einzige in der Hütte, zum Arbeiten, Wohnen, Schlafen, Kochen und Waschen bestimmt, ist noch verengt durch den Stall der gleichfalls da einlogierten Hühner.” Das schrieb der Pfarrer Josef Sagstätter, der 1808 nach Kirchheim kam, an die Behörden und beantragte, dass eine “ordentliche” Schule eingerichtet wurde. Er selbst unterrichtete an Sonn- und Feiertagen die Kinder aus der gesamten Umgebung: Kirchheim, Heimstetten, Hausen, Feldkirchen, Aschheim, Landsham und Parsdorf.
Auf den Antrag hin wurde zunächst aber (im Jahr 1811) eine Zentralschule in Aschheim gebaut. Erst 1836 bekam auch Kirchheim ein Schulhaus:
Schule Kirchheim von 1836 bis 1874
Das Schulhaus wurde 1869 von 87 Werk- und 21 Feiertagsschülern besucht, die alle von einem einzigen Lehrer unterrichtet wurden. Dann kamen noch Kinder aus Grub, Landsham und Gerharding dazu, so dass das Haus zu klein wurde.
So wurde im Jahr 1874 ein neues Schulgebäude gebaut. Das alte Schulhaus wurde zum Teil Gemeindehaus für Arme, zum Teil Gerätehaus der Ortsfeuerwehr. (1957 wurde es abgerissen und auf dem Grundstück das heutige Rathaus erbaut.)
Das war das neue Schulhaus, erbaut auf einem Grundstück gegenüber der ehemaligen Schule. Der Lehrer wohnte mit seiner Familie ebenfalls darin:
Schule Kirchheim von 1874 bis 1886
Die ständig steigende Schülerzahl machte aber schon bald eine Aufstockung notwendig. Im Jahr 1887 kam dann ein zweiter Lehrer an die Schule. Als es im Jahr 1908 insgesamt 194 Kinder waren, musste noch ein Anbau geschaffen werden und ein dritter Lehrer wurde angestellt. In diese erweiterte Schule gingen nicht nur die Heimstettener, Hausener und Kirchheimer Kinder, sondern auch die Kinder aus Landsham und Grub und später zum Teil auch aus Aschheim. Erst ab 1956 bekamen die Landshamer Kinder eine eigene Schule.
Schule Kirchheim seit 1911
Einer der Schüler auf dem Klassenfoto unten ist der Opa von Franziska, einer Schülerin der heutigen Klasse 3 a. Er ging in die alte Kirchheimer Schule. Das Foto ist aus dem Jahr 1956 (Foto: Herr Hiltmair):
Bis zum Jahr 1971 diente das Gebäude als Schulhaus, danach zog der Kindergarten St. Andreas ein.
So sieht die ehemalige Kirchheimer Schule heute aus: Der Kindergarten St. Andreas ist darin untergebracht.
Die Schulkinder aber bekamen 1971 zwischen Kirchheim und Heimstetten ein neues, großes Schulhaus, weil die Gemeinden mittlerweile gewachsen waren. In 8 Klassen waren 279 Kinder.
Die Schule wuchs rasch weiter: 1975 wurde ein zweiter Bauabschnitt bezogen, 1980 ein dritter. In 22 Klassen wurden damals schon 621 Kinder unterrichtet. So sah sie die Grund- und Hauptschule damals aus:
Schule Kirchheim 1980
Das Wachstum der Gemeinden Kirchheim und Heimstetten, die bei der Gebietsreform 1978 zur Gemeinde “Kirchheim” zusammengelegt wurden, machte den Bau von weiteren Schulen nötig: Der Ortsteil Kirchheim erhielt 1982 die Grundschule “2” an der Martin-Luther-Straße, der Ortsteil Heimstetten 1989 die Grundschule “3”, unsere heutige “Silva”-Grundschule.
Das Gymnasium Kirchheim war in seinen Anfangsjahren ab 1982 in der Grund- und Hauptschule untergebracht und hat 1984 das eigene Gebäude bezogen.
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