Unsere Lesewerkstatt “Leseinsel”

Eintauchen in die Welt der Bücher

Das Projekt „Lesewerkstatt“ an unserer Schule - vorgestellt von Angela Hilger

Ziele der Lesewerkstatt

Von der Idee zur Verwirklichung

Geplante Nutzung und Aktivitäten

Traditionelle und neue Medien

Bericht von der Einweihung

Projekt Lesemütter

Leselinks für Lehrer

Leselinks für Kinder

Autorenlesung am 16.11.2006 (M. Grolik)

ARD-Hörnacht “Piraten und Meer”

ARD-Hörnacht ”Auf nach Taka-Tuka-Land”

Autorenlesung am 31.10.2008 (A. Pongs)

“Lesen in der Silva-Grundschule” im Internet

 

Das Türschild, gestaltet von Frau Herz

Die Idee „Lesewerkstatt“

Die PISA -Studie hat gezeigt, dass es mit der Lesekompetenz der deutschen Jugendlichen nicht zum Besten steht. Es wurde nach den möglichen Ursachen gesucht und der „Schwarze Peter“ nicht zuletzt den Grundschulen zugeschoben, zu deren elementaren Aufgabenstellungen das Lesenlernen gehört. Ich machte mir Gedanken, wie man die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler nachhaltig fördern könnte, denn das Lesen hat in der Schule in allen Unterrichtsfächern eine zentrale Bedeutung und ist als wichtigste Kulturtechnik der Schlüssel zum Lernen. Gute Leser haben bessere Bildungschancen, denn ein großer Teil unseres Wissens wird schließlich durch Texte weitergegeben und erworben. Lesen begleitet einen durch das ganze Leben. „Nur ein Volk, das liest, ist auch ein Volk, das denkt“, sagt man in Japan.

Das heutige Zeitalter des Computers und Internets macht Lesen ganz und gar nicht überflüssig, denn nur gute Leser können das umfassende Medienangebot unserer Wissens- und Informationsgesellschaft gezielt und kritisch nutzen. Das Lesen erfährt sogar eine verstärkte Bedeutung. Seit dem Jahr 2003 nutzen auch wir das Interesse der Kinder an den neuen Medien und beteiligen uns sehr erfolgreich mit allen zweiten, dritten und vierten Klassen am Internetprojekt „Antolin“, einem Programm zur Leseförderung, das zum Lesen von Büchern anregen will. In einem schulinternen Antolin - Lesewettbewerb werden jedes Jahr die eifrigsten Leserinnen und Leser zu „Lesekönigen“ gekürt. Aber auch wenn mit Antolin innerhalb eines Schuljahres die stolze Anzahl von rund 3000 Büchern gelesen wurden, konnten wir damit doch nicht alle Kinder erreichen. Wer nämlich nicht gut lesen kann, liest freiwillig nicht viel und nicht gerne. Und wer nicht viel liest, der verbessert seine Leseleistung auch nicht - ein Teufelskreis, den es zu unterbrechen gilt. Nur wer regelmäßig liest, dem fällt es auch leicht!

Ein weitgehend ungenutztes Klassenzimmer brachte mich schließlich im Sommer 2005 auf die Idee, einen eigenen Raum - eine „Lesewerkstatt“ - nur zum Lesen und zur Leseförderung zu schaffen und damit zu einem etwas ganz Besonderem zu machen. Ein wichtiges Prinzip in der Leseförderung ist es schließlich, Lesemotivation zu schaffen, eine positive Lesehaltung zu entwickeln, Lesefreude zu erhalten und ein lebenslanges Leseinteresse aufzubauen.

Wer gern liest, liest viel.
Wer viel liest, liest gut.
Wer gut liest, liest gern.

Ziele des Projekts

„Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.“ (Jean Paul, dt. Schriftsteller, 1763-1825)

Unsere Schule macht das Lesen und die Verbesserung der Lesekompetenz zu einem wichtigen Anliegen. Wir wollen Freude am Lesen wecken und erhalten, vielfältige Möglichkeiten der Begegnung mit Büchern schaffen und somit das Lesen fördern. Lesen lernt man schließlich nur durch lesen und Literatur lernt man nur durch Literatur kennen.

Mit der Lesewerkstatt „Leseinsel“ soll ein zentraler Ort geschaffen werden, der durch seine Ausstattung und Gestaltung zum Lesen verlockt und der ein vielfältiges Buchangebot - auch zur Ausleihe - bereithält, ein Raum für die nötige Ruhe und Muße zum Lesen, ohne Leistungsdruck und Pflicht. Der Raum soll sich für verschiedene Arbeitsformen eignen und selbst gesteuertes Lernen ermöglichen.

Unser Konzept zur Förderung der Lesekompetenz

Mit der Lesewerkstatt wollen wir ein neues Leseförderkonzept für kind- und zeitgemäßes Lernen in offenen Unterrichtsformen entwickeln und erproben. In der „Leseinsel“ werden unsere Schülerinnen und Schüler in behaglicher Atmosphäre ein vielfältiges Bücherangebot kennen lernen und gleichzeitig mit Literatur spielerisch umgehen können. Die „Leseinsel“ soll ein Raum zum Schmökern, zum Vorlesen und Zuhören, zum Ausleihen von Büchern für daheim und zum Verbringen von freien Lesezeiten werden - zu einem Raum, in den die Kinder gerne gehen und in dem sie sich gern aufhalten. Hier geht es nicht vorrangig um Benotung und Leistungsdruck, sondern um eigenverantwortliches und lustvolles Handeln.

Das Angebot in der „Leseinsel“

In der „Leseinsel“ findet sich ein großes Angebot an unterschiedlichen Büchern: Zahlreiche Buchklassiker und Kinderromane stehen in den Regalen, aber auch Bücher für Leseanfänger, Märchenbücher, Gedichtbände, Sachbücher und einige Lexika. Außerdem gibt es eine größere Anzahl Klassensätze von Büchern für alle Jahrgangsstufen, die im Unterricht als Klassenlektüre gelesen werden können.

Die „Leseinsel“ soll der eigenen Aktivität, also der Selbsttätigkeit der Kinder einen Raum bieten. Dafür finden sie vielfältige Materialien, die die Lesesicherheit und das Sinn erfassende Lesen fördern, ihren Wortschatz erweitern und das Lesetempo steigern: Lesespiele und Leserätsel ermöglichen einen spielerischen Umgang mit Buchstaben, Wörtern, Reimen, Gedichten und längeren Texten. Die Schüler können sich selbst Aufgaben aussuchen, die ihrem Leseniveau entsprechen, sollen aber durchaus motiviert werden, auch einmal schwierigere Übungen zu probieren.

Verbindung von traditionellen und neuen Medien

In der „Leseinsel“ gibt es neben den traditionellen Medien wie Büchern, Spielen, Leseblättern und Rätselkarteien selbstverständlich auch die modernen Medien wie CD- und MP3-Player, Computer und Internet, mit denen die Kinder zum Lesen motiviert werden. In diesem Medienverbund sollen aber auch andere Fähigkeiten und Fertigkeiten geschult werden, die eng mit dem Leseverständnis in Verbindung stehen: Zuhören, Informationen suchen und Texte verfassen.

Nachdem die Lust am Selber - Lesen durch Zuhören entsteht, werden in der „Leseinsel“ auch einige Hörbücher angeboten, in die sich entweder einzelne Kinder oder aber auch einmal eine ganze Klasse hinein vertiefen können. Eine entsprechende Soundanlage und Kopfhörer sind vorhanden.

Auf den drei Computern ist eine Vielzahl verschiedener multimedialer Lesespiele installiert, die freudvolles, abwechslungsreiches Üben garantieren. Für jede Jahrgangsstufe und für jedes Leseniveau ist ausreichendes Material vorhanden.

Das Internet können die Kinder als Informationsquelle zu Büchern und Autoren benutzen, online - Lesespiele machen, interessante Texte und aktuelle Nachrichten in Web-Kindermagazinen und auf geeigneten Kinderseiten lesen oder aber bei „Antolin“ Fragen zum Inhalt gelesener Bücher beantworten.

Die eigene Produktion von Texten ist in der „Leseinsel“ ebenfalls möglich: Den Kindern stehen dafür Papier und Stifte, Buchstaben-Stempelkästen oder natürlich die Computer mit einem Textverarbeitungsprogramm und einem Drucker zur Verfügung. Die selbst erstellten Texte dürfen den anderen Kindern als zusätzlicher Lesestoff angeboten werden.

Geplante Nutzung und Aktivitäten

„Die guten Leute wissen gar nicht, was es für Zeit und Mühe kostet, das Lesen zu lernen und von dem Gelesenen Nutzen zu haben. Ich habe achtzig Jahre dazu gebraucht.“ Das sind Worte des größten deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) zum Thema Lesen lernen. Wir wollen den Kindern unserer Schule diese Zeit geben und die Mühen in Grenzen halten bzw. „versüßen“.

  • Die Lehrkräfte werden mit ihren Klassen in festen Zeiten das Leseangebot der „Leseinsel“ nutzen.
  • Ein bis zwei Mal pro Woche soll der Raum für freie Lesezeiten außerhalb des Unterrichts geöffnet werden. Dabei sind wir auf die Mithilfe von Eltern angewiesen. In dieser Zeit können sich die Kinder Bücher für zu Hause ausleihen, sie können sich aber auch nach Lust und Laune mit dem kompletten Angebot beschäftigen. Die „Leseeltern“ beaufsichtigen die Kinder und organisieren die Bücherausleihe.
  • Für andere lesen: Ältere Kinder lesen Jüngeren vor. Das ist ein Anreiz für die Vorleser zum gründlichen Üben des Textes.
  • Wir wollen eine Kooperation mit dem in unmittelbarer Nachbarschaft befindlichen Seniorenwohnheim anregen: Kinder lesen für Senioren und „Leseomas und -opas“ lesen Kindern vor oder erzählen aus früherer Zeit.
  • Unsere Schülerinnen und Schüler sollen Schriftsteller bei Autorenlesungen „hautnah“ kennen lernen. Literatur wird durch den Besuch von Autoren lebendig gemacht.
  • Buchvorschläge von Kindern für Kinder sollen nach und nach in Form von aufklappbaren Karten entstehen und den langen Gang zur „Leseinsel“ schmücken.
  • Buchvorschläge können auch im Internetprojekt „Leselilli“ vorgestellt werden, und zwar optisch und akustisch. In unserer Schülerzeitung „Gruschkiste“ werden wir verstärkt über lesenswerte Bücher aus der „Leseinsel“ schreiben.
  • In zukünftigen Schuljahren ist an fächerübergreifende Leseprojekte gedacht, bei denen Lesen, Schreiben, Theater und Kunst verknüpft werden.
  • Auf thematischen „Büchertischen“ wollen wir von Zeit zu Zeit passende Bücher ausstellen.

Von der Idee zur Verwirklichung

Meine Idee zur Schaffung einer Lesewerkstatt unterbreitete ich Ende Juli 2005 unserem Rektor, Herrn Segerer. Der war sofort begeistert davon und gab „grünes Licht“ für die Verwirklichung.

Name:
Nachdem also der passende Raum für eine Lesewerkstatt gefunden war, veranstalteten wir im Oktober 2005 einen kleinen Wettbewerb zur Namensfindung. An unsere Litfasssäule in der Aula hefteten die Kinder ihre Vorschläge. Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler entschied sich für den Namen „Leseinsel“.

Planung:
Zwei Mütter von Kindern unserer Schule, Frau Gerlach und Frau Herz, nahmen ab November 2005 die Planung in die Hand und entwickelten ein Gestaltungs- und Ausstattungskonzept.

Raumgestaltung:
Zunächst wurde im Februar 2006 der Raum vom Maler unserer Gemeinde mit frischer weißer Farbe grundiert, nachdem der Hausmeister alle Wandtafeln entfernt hatte. Frau Gerlach und Frau Herz setzten daraufhin mit freundlichen Farbflächen optische Akzente.

Möblierung:
Weiße Bücherregale trennen den Raum in unterschiedliche Bereiche. Kleine Teppiche, Sitzsäcke, Schaukelstühle und Sessel, farblich abgestimmt auf die Wandflächen, laden zum gemütlichen Sitzen und entspannten „Herumlümmeln“ ein. Frau Gerlach und Frau Herz besorgten die gesamte Möblierung eigenständig und richteten die „Leseinsel“ komplett ein.

Bücher:
- Den Grundstock bildet der Bestand aus Kinderbüchern, der bis dato weitgehend ungenutzt und für Kinder unzugänglich in der Lehrerbücherei deponiert war.

- Im Dezember 2005 fragte Herr Segerer beim örtlichen Schulförderverein nach, ob wir einen Zuschuss zum Aufbau unserer Lesewerkstatt bekommen könnten. Die Leiterin des SFV, Frau Paintner, bot uns sofort einen großzügigen Geldbetrag als Spende an. Ich erstellte eine umfangreiche Wunschliste mit Büchern, Hörbüchern und der kompletten „SZ-Bibliothek für junge Leser“, und wir bekamen alles umgehend frei Haus geliefert.

- Mit unserer Druckerkartuschen - Sammelaktion „Sammelbox Meike“, die von der Stiftung Lesen unterstützt wird, erwirtschaften wir seit Jahren „Grüne Umweltpunkte“ (GUPs), die wir in diesem Schuljahr überwiegend in Bücherpakete mit insgesamt rund 80 Büchern eingelöst haben.

- Die Schülerzeitungsredaktion kaufte mit dem Guthaben aus dem Verkauf der „Gruschkiste 20“(Juli 2005) neue Bücher und spendete sie für die „Leseinsel“.

In einer gemeinsamen Aktion des Lehrerkollegiums im März 2006 wurden die Bücher thematisch sortiert, farbig gekennzeichnet und in die Regale eingeräumt.

Medien:
Für den Internetanschluss in der „Leseinsel“ sorgten der Gemeinde-Elektriker und Herr Koeppel, ein „Gönner“ unserer Schule, der uns auch den Drucker schenkte. Ich installierte danach auf drei Computern diverse Lesesoftware und richtete eine kindgemäße Arbeitsoberfläche ein, auf der sich die Kinder leicht zurechtfinden können.

Lesespiele:
Der Fundus an ganz unterschiedlichen Lesespielen setzt sich zusammen aus einigen gekauften Spielen und einer großen Anzahl an von den Kolleginnen selbst erstellten Materialien. Der Fundus soll kontinuierlich weiter wachsen.

Finanzierung:
Von der Herbert Gutmann Stiftung der Initiative Praktisches Lernen Bayern e. V. erhielt unsere Schule einen ansehnlichen Förderbetrag, mit dem die Ausstattung der “Leseinsel” weitgehend bezahlt werden konnte. Dafür sagen Lehrkräfte und Kinder der Silva-Grundschule Heimstetten ganz herzlichen Dank!

Jetzt sind die Arbeiten in der „Leseinsel“ abgeschlossen, so dass sie ab sofort zur Verfügung steht. Wir hoffen, dass sie zu einer Insel der Muße in unserem Schulhaus wird, in der die Kinder in die Welt der Bücher eintauchen können oder aber Flügel bekommen, wie es Helen Hayes (1900-1993), eine Oscar-gekrönte US - Schauspielerin formulierte: „Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen, und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat.“